DVB-T2 HD/HEVC: Wann? Wie? Wo?

Veröffentlicht: Donnerstag, 07. April 2016 14:27
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Alle Programme via Antenne werden in HD-Qualität ausgestrahlt

Die Einführung des terrestrischen Nachfolgestandards in Deutschland wird nun endlich Realität. Drei Jahre früher als geplant soll der Regelbetrieb für DVB-T2 im 1. Quartal 2017 starten, die offizielle Testphase beginnt bereits am 31. Mai 2016. Die gute Nachricht: Alle Programme via Antenne werden in HD-Qualität ausgestrahlt. Kostenlos gibt es dann allerdings nur noch das Angebot der Öffentlich-Rechtlichen. Die Privatsender (z.B. Sat.1, RTL oder ProSieben) werden verschlüsselt angeboten, der Preis soll sich aber in Grenzen halten. Wann geht’s los, was steckt drin, wie und wo kann DVB-T2 empfangen werden?

Mit Beschluss des Bundeskabinetts vom Februar 2015 wurde das Ende von DVB-T quasi besiegelt. Hintergrund dieses Beschlusses war der dringend benötigte Breitbandausbau. Mit dem Umstieg auf DVB-T2 in Deutschland und der entsprechend hohen Komprimierung durch den aktuellen Standard HEVC/H.265 werden Frequenzen frei, die seit 2015 versteigert werden. Damit steht im Rahmen der Abschaltung des alten Antennenfernsehens (DVB-T) bis 2017 mehr mobiles LTE-Breitband zur Verfügung. Am 17. März 2015 fiel die Entscheidung der Landesmedienanstalten zur Erteilung einer formalen Plattformlizenz an MEDIA BROADCAST für die Verbreitung von DVB-T2 HD. Im Juni desselben Jahres wurde auf der Kölner Messe Anga Com die neue terrestrische Digitalübertragung vorgestellt.

 

Sechs Sender starten am 31. Mai 2016

Bereits ab dem 31. Mai 2016 wird in einigen Teilen Deutschlands das neue terrestrische Fernsehen probehalber empfangbar sein. Denn dann startet DVB-T2 seine offizielle Testphase mit den HD-Programmen der sechs teilnehmenden Sender: ARD, ZDF, ProSieben, RTL, Sat.1 und VOX. Da die RTL-Group sowohl beim Testlauf mitmacht als auch an der Initiierung des "Projektbüros DVB-T2 HD" für das digitale Antennenfernsehen der zweiten Generation (DVB-T2) beteiligt war, können Gerüchte über den Ausstieg dieses Programmanbieters (zumindest vorerst) vernachlässigt werden. Der Regelbetrieb beginnt übrigens nach derzeitigem Stand im ersten Quartal 2017. Bis zur endgültigen Fertigstellung des DVB-T2-Sendernetzes (voraussichtlich Mitte 2019) bleibt der terrestrische HD-Empfang jedoch vorerst Bewohnern von Ballungszentren vorbehalten. Stufenweise soll ab 2018 allerdings erweitert werden, sodass zumindest die öffentlich-rechtlichen Programme auch in sogenannten Mittelzentren und ländlichen Gebieten empfangen werden können.

Quelle: Media Broadcast

 

Probelauf seit 2014 für Hersteller und Anbieter

In einschlägigen Foren wird seit mehreren Jahren über DVB-T2 HD/HEVC diskutiert. Immer wieder ist davon zu lesen, dass der Testbetrieb bereits läuft. Richtig ist, dass der führende Betreiber digital-terrestrischer TV- und Radionetze in Deutschland (MEDIA BROADCAST) seit Oktober 2014 seinen ersten Testlauf in Berlin gestartet hat, weitere Pilotprojekte laufen seitdem sowohl in München als auch seit August 2015 im Raum Köln/Bonn. Dieser Probelauf richtet sich jedoch nicht an private Verbraucher, sondern naturgemäß an die Hersteller, denen somit eine praktische Testumgebung für die Entwicklung ihrer entsprechenden Endgeräte zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus werden vonseiten der Programmanbieter diverse Tests durchgeführt, die sich auf die Umschaltung der Standards (von DVB-T auf DVB-T2 HD) beziehen.

 

Bis zu 45 Programme in HD-Qualität ab 2017

Ähnlich wie auch schon beim Vorgänger DVB-T hängt der Empfang vom Wohnort ab. Jedes Bundesland soll mit entsprechenden Senderstandorten (z.B. Berliner Fernsehturm) ausgestattet werden, vorläufig jedoch lediglich in Großstädten wie Berlin, München, Köln. Wer in der Nähe eines Ballungszentrums wohnt, könnte neben der Zimmerantenne mit einer Außen- oder Dachantenne das Signal verstärken, die im Übrigen weiterhin genutzt werden kann. Anders sieht es bei den Empfangsgeräten aus. Viele neue Fernseher sind bereits mit DVB-T2-Tunern ausgestattet, allerdings kann mit diesen ausschließlich unverschlüsseltes Antennenfernsehen empfangen werden. Hierzu zählen zirka zwanzig kostenlose Sender der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die ab 2017 regelmäßig ausgestrahlt werden. Das komplette Programm-Bouquet soll insgesamt 40 bis 45 Sender umfassen. Anders als bisher können die Sender der privaten Programmanbieter dann aber nur noch gegen Bezahlung empfangen werden.

 

Im Mai 2016 kommen die Receiver auf den Markt

Erst ab Mai 2016 kommen die „richtigen“ DVB-T2-Receiver auf den Markt, mit denen dann auch die verschlüsselten Privatsender in HD-Qualität via Antenne auf den TV-Bildschirm übertragen werden können. Auch hier wurde in der Vergangenheit reichlich philosophiert. Nicht alles, was man zum Thema lesen konnte, entsprach zwangsläufig der Wahrheit. Fakt ist, dass das hochauflösende Antennenfernsehen in vielen Teilen Europas längst Usus ist, Deutschland jedoch erst jetzt aufschließt. Deshalb sollten deutsche Verbraucher beim Kauf eines DVB-T2-Receivers vorsichtig sein. Denn gegenüber anderen Ländern, in denen DVB-T2 bereits eingeführt wurde, setzt Deutschland als Vorreiter auf den zusätzlichen Codec HEVC/H.265 (High Efficiency Video Coding) – auch wenn dieses Videokompressionsverfahren nicht Bestandteil der internationalen DVB-Spezifikation ist. Fazit: Nicht jeder DVB-T2-Tuner kann deutsche Programme empfangen. Deshalb hat das Projektbüro DVB-T2 HD Deutschland am 8. Juni 2015 eine für den deutschen Fernsehempfang entwickelte Spezifikation und ein entsprechendes Logo eingeführt, das Verbrauchern zur Orientierung dienen und den terrestrischen Empfang deutscher Fernsehprogramme garantieren soll.

 

Deutsche Spezifikation und Logo: DVB-T2 HD

 

Doch auch wenn in den aktuellen TV-Geräten der DVB-T2-Tuner mit dem offiziellen Logo bereits eingebaut ist, kann damit noch längst nicht das volle Programm empfangen werden. Wie bereits erwähnt, werden die Privatsender ihr Angebot ausschließlich verschlüsselt senden, was die Anschaffung eines Receivers (Set-Top-Box) nötig macht, der mit entsprechender Hardware ausgestattet sein muss. Ähnlich wie beim herkömmlichen Pay-TV dient auch hier ein CI-Plus-Schacht am Receiver beziehungsweise der Set-Top-Box für die nötige Entschlüsselung der Signale. Entsprechende Geräte sollen im Mai 2016 auf den Markt kommen. Die Deutsche TV-Plattform stellt hierzu auf ihrer Webseite eine Geräteliste zur Verfügung, die in den nächsten Monaten ständig erweitert werden soll. Hier können Verbraucher nachschlagen, ob ihr Gerät bereits die Mindeststandards der deutschen Spezifikation DVB-T2 HD erfüllt oder nicht. Bisher ist lediglich eine internetfähige Set-Top-Box (STB) aufgeführt, die die CI-Plus-Hardware bereits eingebaut hat (HUMAX HD NANO T2/EAN: 8809095667929) und eine weitere STB von XORO (HRT 8720/EAN: 4260001039560), die allerdings nicht internetfähig ist. Diverse andere Geräte (z.B. von TechniSat) bieten eine Erweiterungsmöglichkeit an, d.h. dass mit einem externen CI-Modul nachgerüstet werden kann. 

Generell sollte beim Kauf also sowohl auf das DVB-T2-HD-Logo als auch auf den entsprechenden Codec (HEVC/H.265) geachtet werden. Und grundsätzlich gilt: Mit nicht-zertifizierten Receivern/Tunern (AVC/H.264) ist kein Empfang von deutschem Antennen-TV in HD möglich. Die alte DVB-T-Box kann entsorgt werden, da der neue HD-Standard nicht abwärtskompatibel ist. Jedoch können mit den neuen Empfängern durchaus die alten Signale empfangen werden. Wer sich also schon im Mai 2016 entschließt, eine neue Box mit DVB-T2-Standard (ETSI EN 302 755 V1.3.1) zu kaufen, der kann bis zur Abschaltung 2017 nach wie vor herkömmliches DVB-T empfangen. 

 

Was ändert sich mit DVB-T2 HD/HEVC

Entscheidender ist natürlich die Frage, was uns der neue Standard bringt?
Auf die Standardauflösung (SD-TV) mit 720x576 Pixeln soll bei DVB-T2 HD komplett verzichtet werden. Gesendet wird ab 2017 überwiegend im progressiven Verfahren und Full-HD-Auflösung (1080p) mit 50 Bildern pro Sekunde und 1920 x 1080 Bildpunkten. Ob die ARD ebenfalls progressiv (im Vollbildverfahren) überträgt oder am Interlacing (Halbbildverfahren) festhält, ist bisher noch nicht endgültig geklärt - wohl aber, dass Testläufe in diesem Format laufen. Obwohl hochauflösendes Fernsehen aufgrund der vielfachen Pixelanzahl pro Bild mehr Datenvolumen mit sich bringt, erhöht sich mithilfe der aktuellen Videokompressionsverfahren die Übertragungskapazität bei DVB-T2 um stolze 70 Prozent. Dies bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. Zum einen können bei gleicher Bandbreite mehr Programme in besserer Qualität gesendet werden. Im sogenannten Multiplex können bei DVB-T2 HD bis zu sieben Programmen zusammengefasst werden, bei bei DVB-T waren es lediglich vier. 
Zum anderen erhöht sich die Benutzerfreundlichkeit beispielsweise durch eine robustere Signalstärke, die wiederum weniger Bild-Artefakte zur Folge hat und schnellere Umschaltzeiten ermöglicht. Die berühmten Klötzchen während eines Gewitterschauers könnten somit bestenfalls der Vergangenheit angehören.

 

Mobiler DVB-T2-Empfang pünktlich zum EM-Anpfiff

Denn durch die Einbindung des IP-Signals und eine Erhöhung der sogenannten Sende-Diversität (Multiple Input Multiple Output-Konzept) entsteht unter anderem eine bessere Versorgung zwischen zwei Sendeantennen. Somit wird nicht nur der stationäre Empfang via Antenne als kostengünstiges Pendant zum Kabel- und Satellitenfernsehen schneller und stärker, der  TV-Empfang mit DVB-T2 wird zudem mobiler. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h kann das terrestrische Fernsehsignal demnächst sogar während der Fahrt im Auto, Zug oder Wohnmobil empfangen werden. 

Wenn am 10. Juni 2016 das ZDF um 21.00 Uhr das EM-Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien überträgt, kann vielleicht bereits in HD-Qualität auf der Terrasse, im Park oder während der Fahrt nach Hause live mitgefiebert werden. 

Mit der offiziellen Testphase ab Mai 2016 sind jedoch die technischen Entwicklungen noch längst nicht abgeschlossen. So befasst sich beispielsweise das Projekt ROMEO mit der Verbreitung beziehungsweise Live-Übertragung von 3D-Inhalten (http://www.ict-romeo.eu). Darüber hinaus gibt es viele Vermutungen im WWW ...


BUROSCH bleibt für Sie am Ball. Sobald es weitere Fakten gibt, werden wir Sie informieren. 

Weitere Infos zum Thema unter:
Geräteliste für Empfang von DVB-T2 HD
http://dvb-t2-news.de
http://www.tv-plattform.de/de/dvb-t2-hd-geraetelogo