Wie Sie Ihre Geräte im Wohnzimmer richtig aufstellen

Das Kino daheim macht erst dann richtig Spaß, wenn die Standortfragen für die Geräte geklärt sind. In diesem Artikel geben wir Ihnen einige nützliche Tipps, was bei Stellplätzen für TV, Leinwand, Projektor und Lautsprecher zu berücksichtigen ist.

Wer ein Heimkino neu aufbaut, hat nach der Anschaffung nicht nur jede Menge leere Kartons zu beseitigen, sondern auch die Frage zu lösen, wie er die vielen Komponenten sinnvoll aufstellt. Dabei gibt es drei wichtige Aspekte zu berücksichtigen. Erstens ist die Sicherheit oberstes Gebot. Auch wenn die Geräte in einer Schrankwand untergebracht werden, darf es zu keinem Hitzestau kommen, um Brandgefahr und vorzeitigem Verschleiß vorzubeugen – das gilt auch für moderne Flachbildschirme, vor allem Plasma-Fernseher werden sehr warm. Zweitens muss ein Standort gefunden werden, der möglichst auf allen Zuschauerplätzen ein angenehmes Bild ohne Störeinflüsse sowie bestmöglichen Ton gewährleistet. Und drittens sollte nicht außer Acht bleiben, dass sich niemand über Kabel oder dergleichen stolpert. So individuell wie der eigene Wohnraum muss dann auch die Planung erfolgen. Denn die wenigsten Heimcineasten werden die Möglichkeit haben, einen speziellen Heimkinoraum auszustatten. Aus diesem Grund kann dieser Ratgeber nur Empfehlungen allgemeiner Art geben, die sich nicht überall direkt umsetzen lassen. Mit diesem allgemeinen Vorwort wenden wir uns zunächst dem Bild in Form typischer Fernsehgeräte zu, um anschließend auf AV-Receiver/Lautsprecher und schließlich auf die Großbildprojektion einzugehen. 

 

Der Sitzabstand

Schon vor dem Kauf eines neuen Fernsehgerätes sollten ein paar Dinge bedacht werden. Verlockend sind die purzelnden Preise, immer größer werden die Bilddiagonalen mit Full-HD und Ultra-HD-Auflösung. Ehe blind zum größten Gerät gegriffen wird, ist dringend zu empfehlen, über den Aufstellort und den Sitzabstand nachzudenken, denn weniger ist manchmal mehr. Er sollte als unverbindliche Faustformel für TVs in Standardauflösung gelten, ungefähr das Drei- bis Vierfache der Bildschirmdiagonale einzuhalten, bei hochauflösender Full-HD Darstellung kann der Wert nach unten auf den zwei- bis dreifachen Faktor gesenkt werden. Wollen Sie schon auf Ultra-HD setzten, können Sie den Sitzabstand noch mal halbieren. In wie weit es aber zum Beispiel sinnvoll ist, sich bei einem 50 Zoll Ultra-HD Gerät in einem Abstand von 2,5 Metern vor das Gerät setzen, lassen wir mal dahin gestellt. Ultra-HD Auflösungen spielen ihren Auflösungsvorteil eh erst in größeren Diagonalen aus.

Nachfolgend im Bild können Sie Sehen, wie sich der Sitzabstand zur Pixeldichte verhält. Die Bildquelle stammt aus dem Heise Verlag, den zugehörigen sehr guten Artikel finden Sie unter folgendem Link.

Zusammengefasst kann man sagen, wird der Betrachtungsabstand zu klein oder das Fernsehgerät zu groß, kann der Zuschauer das Bild nicht mehr als Ganzes erfassen und muss das Defizit mit Kopfbewegungen ausgleichen. Der Effekt gleicht den „billigen“ Kinoplätzen der ersten Reihe – und im Heimkino möchte man ja schließlich in der Loge sitzen. Ein anderer Grund hängt mit der Bildauflösung zusammen. Bei zu geringem Abstand zum Anzeigegerät kann es passieren, dass die Rasterung der Pixel ins Auge fällt. Zu klein sollte die Bildschirmdiagonale indes auch nicht ausfallen, denn man möchte schließlich ohne große Anstrengung vom Sitzplatz aus sämtliche Bildschirmtexte und Menüs ablesen können. Insgesamt ist deshalb auf eine vernünftig dimensionierte Bilddiagonale zu achten.

 

Die Installation

Bei der Wahl des richtigen Aufstellortes schränken die räumlichen Bedingungen oft die Flexibilität erheblich ein. Dennoch sollte bei kritischen Voraussetzungen geprüft werden, ob die Nutzung des Raums sinnvoll ist und nicht vielleicht doch verändert werden kann. Kritisch ist beispielsweise Tageslicht, das von hinten oder seitlich auf den Bildschirm fällt und dazu führt, dass Spiegelungen oder Reflexionen die Bildqualität beeinträchtigen. Beheben ließe sich das Problem durch Rollläden oder Jalousien, sofern kein anderer Stellplatz in Betracht kommt oder Linderung verspricht. Auch die akustischen Bedingungen sollten bei der Standortwahl berücksichtigt werden, worauf im nächsten Abschnitt näher eingegangen wird. Die meisten Fernsehgeräte werden mit einem vormontierten oder rasch angesetzten Standfuß ausgeliefert und können ohne große Probleme auf einem Fernsehrack platziert werden. Fernsehschränke sind eine Option, sofern die Luftzufuhr gewährleistet ist und sie genügend Platz bieten. Eine Alternative stellt die Wandmontage dar, um das Gerät optisch ansprechend ohne weiteres Möbel in exakt der gewünschten Höhe zu befestigen. Mitunter bieten Gerätehersteller Halterungen als kostenpflichtige Option an, aber auch der Zubehörmarkt bedient das Bedürfnis mit verschiedenen Modellen, die auch vertikal oder horizontal neigbar sein können. Es empfiehlt sich dringend, den großen Flachbildschirm nicht ohne fremde Hilfe aufzuhängen. Andernfalls besteht die Gefahr von Verkantung bis Bruch des wertvollen Geräts. Neben der Aufstellung selbst stellen in vielen Fällen die Kabel ein optisches Problem dar. Besonders unschön ist es, wenn sie bei Wandmontage zum Boden herabbaumeln. Um den Kabelsalat verschwinden zu lassen, bieten sich Kabelkanäle an, die speziell für den Einsatz mit Flachbildschirmen konzipiert wurden. Auch der örtliche Baumarkt führt in aller Regel ein breites Sortiment an Kabelkanälen, die für diesen Zweck oder für andere Kabel – etwa von Lautsprechern – verwendet werden können.

Tipp: Kabelkanäle nutzen, die Kabel verschwinden so aufgeräumt in einem Kabelkanal.

Die Sicherheit 

Ungeachtet dessen, ob das Fernsehgerät aufgestellt oder aufgehängt wird, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass ein Wärmestau vermieden wird. Brennbare Gegenstände, Decken und dergleichen haben auf dem Fernsehgerät nichts verloren und die Belüftungsöffnungen müssen stets frei bleiben. Als weiteres Sicherheitsrisiko kann sich die Wandmontage herausstellen, sofern die Tragfähigkeit von Halterung und Verputzung unterschätzt wird. Trotz der filigranen Gestalt moderner Flachbildschirme können diese unter Umständen an ein zu Röhrengeräten vergleichbares Gewicht herankommen, was nicht zuletzt die größeren Diagonalen mitbringen. Deshalb ist es notwendig, vor einer Wandmontage die Tragfähigkeit der Wand zu kontrollieren und geeignete Dübel und Schrauben zu verwenden. In Mietwohnungen ist eine Rücksprache mit dem Vermieter sinnvoll, der zudem in der Lage sein sollte, die Tragfähigkeit der Wände zu ermitteln.

Die Lautsprecher aufstellen

Ein gutes Bild ist im Heimkino nur die halbe Miete, wenn der Ton nicht stimmt. Eine gute Surroundanlage lässt heutzutage authentisches Kinoflair in den eigenen vier Wänden aufkommen, doch ist die optimale Einrichtung ein Anspruchsvolles und in Wohnzimmer kompromissträchtiges Unterfangen: Gegenstände im Raum stören eine freie Entfaltung der Schallwellen, Teppiche dämpfen und Vorgaben der Wohnlichkeit stehen klanglichen Erfordernissen scheinbar ausweglos gegenüber.

Seit der Einführung der DVD fand auch die nach Kanälen (diskret) getrennte Audioaufbereitung Einzug in das digitale Heimkino. Dolby Digital und dts liefern bei den meisten Filmen sechs voneinander getrennte Kanäle, die ein räumliches Klangbild ermöglichen. Jeder Kanal kann über einen entsprechenden AV-Receiver einen Lautsprecher mit Toninformationen versorgen. Vorn gibt es drei, hinten zwei Kanäle. Der sechste Effektkanal ist dem Tiefton („low frequency“, LFE) vorbehalten und wird von einer speziellen aktiven Tieftonbox, dem Subwoofer, abgebildet. Fünf diskrete passive und ein aktiver Tieftonkanal bilden das, was man in Kurzform mit 5.1 ausdrückt. Im Laufe der Zeit sind bis zu zwei weitere Kanäle hinzugekommen, die den hinteren Bereich differenzierter auflösen sollen (6.1, 7.1). An diesen Grundsätzen hat sich auch mit Einführung der Blu-ray Disc nichts geändert. Wer ein 5.1/6.1/7.1-System für DVDs eingerichtet hat, muss zumindest an den Lautsprechern in Hinblick auf Blu-ray nichts ändern. Neue Soundstandards, wie etwa Dolby Atmos, haben es zudem äußerst schwer sich durchzusetzten, weil die Installationen von mehr als sieben Lautsprechern bei den meisten Privathaushalten nur schwer zu realisieren sind.

Eines sollte noch beachtet werden. So gut sich ein 6.1/7.1-System im Klangraum des Fachhändlers anhören mag, können nur wenige Wohnzimmer die zusätzlichen Lautsprecher sinnvoll aufnehmen. Ein gewisser Abstand ist erforderlich und man sollte sich kritisch fragen, ob man für Filme die Couch weg von der Wand in Richtung Raummitte verlagern möchte. Hier liegen Akustik und Wohnlichkeit offensichtlich im Clinch. Eine andere Grundsatzfrage lässt sich nicht pauschal beantworten. Für die rückwärtigen Effektkanäle werden Bi/Dipole oder Direktstrahler verkauft. Direktstrahler leiten den Schall direkt auf die Hörposition, während Bi- oder Dipole den Schall diffus verteilen, streuen. Damit geht die Ortbarkeit etwas verloren, dafür weitet sich das Klangfeld. Die Wahl des richtigen Systems hängt von Geschmack und den räumlichen Bedingungen ab. Zu beachten gilt allenfalls, dass manche Menschen auf präzise Töne von hinten empfindlich reagieren und in so einem Fall mit Bi- oder Dipolen besser beraten sind, während andere genau diese Präzision zu schätzen wissen.

 

Die Installation 

Bei der Aufstellung ist es sehr wichtig, dass die Lautsprecher auf die Hörposition ausgerichtet sind. Die richtige Sitzposition und Abstand zu den Lautsprechern entscheidet, wie gut sich das Klangfeld an der Hörposition aufbauen kann. Soweit möglich, sollte vermieden werden, Gegenstände in den direkten Abstrahlungsbereich der Lautsprecher zu stellen. Die Schallwellen prallen davon ab und werden in andere Richtungen reflektiert. Das führt zu verfälschtem Klang und die Ortbarkeit der Töne wird beeinträchtigt.

 

5.1-Systeme

Bei 5.1-Systemen werden die Lautsprecher im Idealfall links und rechts in einem Winkel von 22 bis 30 Grad zum Centerlautsprecher aufgestellt. Der Center sollte auf einer Linie zu den beiden vorderen Lautsprechern liegen. Die linken und rechten Surroundlautsprecher positioniert man in einem Winkel von 90 bis 110 Grad seitlich neben den Hörplatz. Es sollte möglichst vermieden werden, die Surroundlautsprecher hinter die Hörposition zu stellen. Der beste Platz für den Subwoofer stellt in den meisten Fällen der Bereich zwischen den vorderen Lautsprechern dar.

Bei Aufstellhinweisen zu Subwoofern hält sich hartnäckig die irreführende Empfehlung, der Standort wäre beliebig, weil tiefe Frequenzen nicht ortbar seien. Generell kann man das so leider nicht behaupten. Ob man einen Subwoofer orten kann oder nicht, hängt von der eingestellten Trennfrequenz sowie von der individuellen menschlichen Wahrnehmung ab. Deshalb sollte der Subwoofer vorn aufgestellt werden oder zumindest nicht den Mittelpunkt zwischen den Front- und Surroundlautsprechern überschreiten. Einige ambitionierte Heimcineasten gehen noch einen Schritt weiter und installieren im vorderen Bereich einen zweiten Subwoofer (5.2/6.2/7.2-System). Das erhöht nicht nur den Bassdruck, sondern kann auch dem Problem der Ortbarkeit vorbeugen. In diesem Zusammenhang aber noch ein Tipp: Die Lautstärke des Subwoofers muss sinnvoll reguliert werden, denn der Subwoofer ist kein Alleinunterhalter, sondern ein Effektkanal. In den meisten Heimkinos wird der Tiefton zu laut eingestellt. Die Surroundlautsprecher links, rechts und hinten sollten sich bei direkter Abstrahlung und in sitzender Position gemessen ungefähr 30-60 Zentimeter oberhalb der Ohrhöhe befinden. Damit wird die präzise Ortung der rückwärtigen Töne unterstützt. Die Empfehlung für die Höhe zählt für alle Aufstellungsarten, also 5.1, 6.1 und 7.1. Obwohl die Ortung bei Bi-/Dipolen nicht ausschlaggebend ist, gilt die Empfehlung auch für diese Lautsprecher

 

6.1 und 7.1 Systeme

Für Tonverfahren, die einen oder zwei zusätzliche Kanäle liefern, muss hinter der Sitzposition Platz vorhanden sein, um einen oder zwei zusätzliche Lautsprecher zu installieren. Bei 7.1 werden die Lautsprecher hinten in einem Winkel von 135 bis 150 Grad aufgestellt, bei 6.1 platziert man den einen Lautsprecher nach Möglichkeit mittig hinter der Sitzposition in einem Abstand von ca. 60 bis 80 Zentimetern. Auf die Installation von mehr als 7.1 möchten wie in diesem Artikel nicht eingehen, weil die Realisierung zuhause äußerst schwierig ist.

Nachfolgend eine schematische Aufstellung der unterschiedlichen Lautsprecher – das im schwarzen Kasten umrandete Feld umreißt die zusätzlichen Lautsprecher bei einem 7.1-System. Bei einem 6.1-System befindet sich hinten mittig nur ein Lautsprecher.

 

Weitere Tipps 

Lautsprecher sollten grundsätzlich nicht dicht an der Wand stehen. Unter ungünstigen Bedingungen kann das eine Verdopplung tiefer Frequenzen und damit einen überbetonten Tieftonbereich nach sich ziehen. Was bei schmalbrüstigen Lautsprechern ein gewünschter Trick sein kann, führt bei besseren Lautsprechern zu einem verzerrten oder basslastigen Ton. Besonders ungünstig ist es, wenn Lautsprecher unterschiedlich weit von den Wänden entfernt stehen. Ein verschobenes Klangbild kann die Folge sein.

Gibt es aufgrund räumlicher Gegebenheiten keine andere Möglichkeit und die Lautsprecher müssen in einer Ecke mit einem Abstand von weniger als einem Meter zur Seitenwand untergebracht werden, sollten die Lautsprecher ein wenig in Richtung der Hörposition gedreht werden. Das Klangbild wird dadurch zwar etwas kleiner, die Ortung und der Klang nehmen aber zu, da weniger Reflexionen von den seitlichen Wänden entstehen. Ist die Seitenwand weiter als einen Meter entfernt, sollte man die Lautsprecher gerade zur rückwärtigen Wand aufstellen.

Bei kompakten Regallautsprechern empfiehlt es sich, eine Aufstellung in der Nähe von schnell schwingbaren Gegenständen wie Glas oder Büchern zu vermeiden und stattdessen auf Boxenständer auszuweichen. Ein Regal sollte entgegen der Bezeichnung dieser Boxenart vermieden werden. Führt kein Weg am Regal vorbei, können Gummifüße unter den Lautsprechern Schwingungen dämpfen.

Bei der Einrichtung der Lautsprecher erweisen sich als ausgesprochen hilfreich Einmessmikrofone, die vielen AV-Receivern beiliegen. Besonders ungeübten Hörern erleichtern sie die Grundkonfiguration als Ausgangssituation für die unvermeidbare Feinjustage. Gelingt es trotzdem nicht, den erwünschten Klang zu erzielen, kann mit den Stellplätzen der Lautsprecher experimentiert werden. Die obigen Vorschläge sind nur eine Richtschnur und nicht in Stein gemeißelt. Es sollte schließlich beachtet werden, dass es gerade in kleineren Wohnzimmern schwierig ist, einen guten Klangpunkt für mehrere Hörer zu finden. Mitunter ist optimaler Klang also nicht mehr als der bestmögliche Kompromiss.

 

Sicherheit und Störungen 

Lautsprecher verwenden Magnete, um Membrane in Schwingung zu versetzen und Schall zu produzieren. Sollte noch ein Röhrenfernseher verwendet werden, ist darauf zu achten, dass die Frontboxen und darunter insbesondere der Center magnetisch abgeschirmt sind oder nicht zu nahe am Fernseher aufgestellt werden. Andernfalls kann es zu Bildstörungen kommen, die mitunter nur vom Fachmann beseitigt werden können. Bei Verwendung eines Flachbildschirmes (Plasma, LCD, SED oder OLED) sind diese Erwägungen überflüssig, da alle der vier neuen Technologiearten immun gegen Magnetfelder sind.

Wird ein ständiges lautes Brummen über die Lautsprecher festgestellt, kann die Ursache eine vorhandene Masseschleife („Brummschleife“) sein. Dieses liegt oft an der Hausinstallation und ist in der Regel mithilfe eines Mantelstromfilters an der Hausantenne zu beseitigen, siehe Bild.

 

 

Großbildprojektion 

Das Sahnehäubchen ambitionierter Heimkinos ist nicht ein großformatiger Flachbildfernseher, sondern die Projektion der Bilder auf eine Leinwand. Auf diese Weise lassen sich vergleichsweise kostengünstig auch größte Bildschirmdiagonalen erzielen. Der Heimcineast steht dabei aber vor zwei Herausforderungen. Im Gegensatz zum Fernsehgerät hängt die Elektronik nicht vorn an der Wand, sondern sie sitzt im rückwärtigen Bereich an der Decke. Das wirft neue Probleme auf. Zum Zweiten muss das Bild an eine Fläche projiziert werden, die wiederum im vorderen Bereich verortet ist. Damit ist insgesamt der Installations- und Konfigurationsaufwand höher als beim „kleinen“ Heimkino mit konventionellen HDTVs. Eine freie Fläche und eine gute Position des Beamers müssen zusammenfallen.

 

Die richtige Leinwand und ihre Position

Zwar könnte das Bild auch direkt auf eine weiße Wand fallen, aber die Struktur und das Reflexionsverhalten sind einem gefälligen Bildeindruck wenig zuträglich. Zum Einsatz kommen deshalb in aller Regel Leinwände. Es gibt sie in allen erdenklichen Formen und Größen. Sie sind mit unterschiedlichen Tucharten zu stark variierenden Preisen bespannt. Zuerst muss die Frage nach dem gewünschten Format beantwortet werden. Aktuelle TVs werden fast ausschließlich im 16:9-Format verkauft und nehmen dem Kunden die Entscheidung ab, 21.) konnte sich bei Fernsehern nie durchsetzten. Eine Leinwand ist hingegen in praktisch jedem beliebigen Höhen-Seitenverhältnis realisierbar. Ganz besonders eingefleischte Filmfreunde mögen mit dem Gedanken liebäugeln, sich eine besonders breite Leinwand anzuschaffen, die ein Breitbild wie im Kino nach Hause holt. Das ist zwar technisch machbar, aber in letzter Konsequenz nicht zuletzt bei der Projektion und Aufbereitung des Videobildes mit hohem Aufwand verbunden und sprengt unter dem besonders im US-Raum bisweilen andiskutierten Stichwort „constant image height“ den Rahmen dieses Artikels. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass eine Konfiguration im 21:9-Format starke Kompromisse bei 16:9- und erst recht bei 4:3-Sendungen in Form schwarzer Balken links und rechts (Pillarboxing) nach sich zieht und dem Problem mit besonders kostspieligen maskierbaren Leinwänden entgegenzuwirken ist. Solche Leinwände können die unterschiedlichen Bildformate wie 4:3, 16:9 oder 21:9 abbilden. Die meisten Heimcineasten sind heutzutage aber mit dem Griff zu einer Leinwand im 16:9-Format am besten beraten.

Eine komfortable Alternative zu fest verankerten Leinwänden sind Motorbetriebene, die über einen mechanischen Antrieb im Inneren aus- und eingefahren werden. Bessere Modelle verfügen über einen Seilzug an den Seiten, der das Tuch unter Spannung hält und damit Wellenbildung vermeidet. Motorleinwände sind besonders auch dann zu empfehlen, wenn der Beamer nur für Filme verwendet wird. Dann können sie die Leinwand vor ein an der Wand befestigtes Fernsehgerät bei Bedarf und nur für den Filmabend herabfahren. Einsteiger greifen oft auf preisgünstige Rollo- und Kurbelleinwände zurück. Ab etwa 150 Euro bekommt man bereits eine 2 Meter breite Leinwand, die im Unterschied zu den motorgetriebenen Vettern manuell betätigt werden muss. Mit der Zeit können bei diesem System aber Falten oder Wellen auftauchen. Noch mehr Flexibilität bieten Stativleinwände, die nach dem Filmabend komplett abgebaut und transportiert werden können. Den Freiraum erkauft man sich dadurch, dass bei jedem Gebrauch das Bild neu einzupassen ist und außerdem Falten, Knicke und geometrische Verzerrungen kaum vermeidbar sind. Für Anspruchsvolle, die kein Bedürfnis haben, die Leinwand verschwinden zu lassen, empfehlen sich Rahmenleinwände. Sie werden fest an die Wand montiert. Das Tuch ist in einen festen Rahmen eingespannt und erreicht dadurch eine absolute Planlage, ohne Wellen oder Falten zu werfen.

Für ein optimales Sehvergnügen sollte der Abstand vom Leinwandrand zum Boden nicht größer als 90 Zentimeter sein. Alles andere bringt auf Dauer nur einen steifen Nacken.

 

Was gilt es, sonst zu beachten? 

Das prestigeträchtige Ringen der Fernsehhersteller um das bestmögliche Kontrastverhältnis findet beim Leinwandtuch mit dem sogenannten Gain-Faktor seine Entsprechung. „Gain“ drückt den Reflexionsgrad des Tuchs aus. Je stärker es das Licht reflektieren kann, desto höher der Gain-Faktor. Für ein Heimkino mit mattweißem Tuch reichen 1 bis 1,2 Gain erfahrungsgemäß aus. In letzter Zeit wird oft über sogenannte HDTV-Leinwände diskutiert. Dazu gehen die Meinungen weit auseinander. Pauschal als Quatsch sollte der Gedanke nicht verworfen werden, denn eine besonders fein strukturierte Oberfläche wird dem HDTV-Bild kaum schaden. Deshalb sollte nicht nur auf das Bildformat, die Größe, das System oder den Gain-Faktor, sondern auch auf die Materialstruktur der Leinwand geachtet werden.

 

Die richtige Leinwandgröße

Schließlich gilt es, die richtige Größe festzulegen. Es sollte der Verlockung widerstanden werden, mit dem Beamer das größtmögliche Bild zu zaubern, nur weil es technisch möglich wäre. Wie bei den TVs sollte auch die Größe der Leinwand stets anhand des Sitzabstandes ermittelt werden. Als Faustformel gilt, dass in Abhängigkeit der Auflösung der zu multiplizierende Faktor der Leinwandgröße bei 0,55 bei einer PAL-Auflösung und 0,7 bei einer HD-Auflösung (High Definition) liegen sollte. Sitzt der Zuschauer beispielsweise vier Meter von der Leinwand entfernt, sollte die Leinwand also nicht größer als 2,20 Meter bei PAL-Bildern (4x0,55) und 2,80 Meter bei HD-Bildern (4x0,7) sein. Bei 4K-Beamern kann der Abstand noch weiter verringert werden. Das Sehvergnügen wird stärker noch als bei vergleichsweise kleinen HDTVs gemindert, wenn man den Kopf drehen muss, um den gesamten Bildinhalt wahrzunehmen. Weniger ist daher auch hier oft mehr.

 

Die Beamerinstallation

Mit den soeben angestellten Überlegungen zur Leinwandgröße und -position gilt es noch, das letzte Mosaiksteinchen zu ergänzen: den Beamer. Er verdient deshalb ein paar abschließende Worte, weil die Verkabelung oft Probleme bereitet und nicht zuletzt der Transport von hochauflösenden Bildsignalen über lange Strecken eine überraschend tiefe Furche in die Brieftasche schlagen kann. Der Beamer wird im hinteren Raumbereich meist unter der Decke befestigt. Entweder wird er über Kopf direkt an die Wand geschraubt oder auf eine Haltevorrichtung gestellt. Mobile Systeme sind im Heimkino eher unüblich. Beim Gebrauch einer mobilen Stativleinwand muss aber bei der Aufstellung des Beamers darauf geachtet werden, dass er notfalls gut zugänglich ist. Ist mal die Fernbedienung nicht zur Hand oder die Batterie leer, kann dann per Hand die erforderliche Feinjustage vorgenommen werden. Bei der Wahl des Standortes sollte der richtige Abstand zur Leinwand gefunden werden und das Gerät so ausgerichtet sein, dass möglichst wenige elektrische Helfer etwa zur Geometriekorrektur herangezogen werden müssen. Zudem sollte ein Standort gewählt werden, der die Verkabelung begünstigt. Aktuelle Modelle werden üblicherweise mit HDMI-Kabeln verbunden, die ab einer Länge von 10 Metern qualitativ hochwertig sein sollten und mit vergleichsweise hohen Kosten (ab ca. 60 Euro) verbunden sind. Spätestens bei Strecken oberhalb von 15-20 Metern sind kostspielige Repeater für eine sichere Datenübertragung erforderlich. Jenseits von 30 Metern Kabelweg muss gar auf Extender zurückgegriffen werden, wobei die Begriffe im Handel uneinheitlich gebraucht werden. Deshalb könnte es sich als Tipp empfehlen, Blu-ray-Player, Set-Top-Box und AV-Receiver nicht vorn im Raum, sondern seitlich unterzubringen. So könnte der Kabelweg halbiert werden. Längere Lautsprecherkabel sind preiswerter als längere HDMI-Kabelwege. Als zweiter Tipp kann der AV-Receiver als HDMI-Switch eingesetzt werden, damit nur ein Kabel zum Beamer laufen muss. Damit das Kabel vom Beamer nicht unschön von der Wand baumelt, empfehlen sich die bereits im Zusammenhang mit den HDTVs angesprochenen Kabelkanäle.

Ein Luxusdeckenlift oder eine einfache Deckenhalterung sind Pflicht für die professionelle Installation eines Projektors, siehe nachfolgende Beispiele.




Sicherheit und Ergonomie

Auf zwei Dinge gilt es bei der Beamerinstallation noch zu achten. Zum Ersten erwärmen sich die Leuchtmittel im Betrieb prinzipbedingt, sodass eine ausreichende Belüftung zu gewährleisten ist. Man sollte einen Beamer also nicht einfach „zumauern“ und auch nicht den Strom abschalten, solange ein Lüfter nachläuft. Derselbe Punkt spielt bei der Standortwahl eine Rolle, denn viele Modelle werden über Lüfter gekühlt, die als störende Geräuschquelle ausgemacht werden können. Bei einer Neuanschaffung ist zu empfehlen, kein zu lautes Modell zu wählen. Ansonsten ist für das Gerät ein Standort zu suchen, an dem das Lüftergeräusch möglichst wenig wahrgenommen wird.

Beherzigen Sie unsere Tipps, dann kann eigentlich nichts schief gehen bei der Einrichtung Ihres Heimkinos. Viel Spass wünscht das BUROSCH TV Labor.