Bildruckler erkennen und verstehen: Warum es bei der Wiedergabe von Filmen ruckeln kann?

Es ist ja durchaus schon etwas her, aber erinnern Sie sich noch, was kurz nach dem Erscheinen der ersten HD-DVD und Blu-Ray-Player geschah? Ein Aufschrei ging durch das Lager der Bildfetischisten, denn HD ruckelte! Warum das so war und was sich bis heute geändert hat, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

Gerne möchten wir Ihnen vorab noch einmal erklären, wie es damals überhaupt dazu kam. Dafür müssen wir jedoch einen kleinen Umweg über die DVD nehmen, die auch heute 2014 noch immer nicht zum alten Eisen gehört, eigentlich ist sogar eher das Gegenteil der Fall, denn die Verkäufe von Filmen auf DVD liegen auch im Jahr 2014 noch weit vor denen der Blu-ray - aber zurück zum eigentlichen Ruckelproblem. Kinofilme werden bekanntlich noch heute mit 24 Einzelbildern pro Sekunde auf Blu-ray gespeichert, quasi in NTSC mit 60Hz. Unser PAL-System benötigt hingegen 50 Hz Signale, NTSC wie gesagt 60Hz. Bei PAL-DVDs wurde und wird das Problem bis heute mit einem Anheben der Filmgeschwindigkeit auf 25 Bilder pro Sekunde gelöst, die man einfach verdoppeln und damit auf 50Hz bringen kann. So kann man für eine progressive Abtastung einen einfachen 2:2 Pulldown verwenden und nichts ruckelt. Für jedes progressive Bild ist dadurch auch ein „Partnerbild“ vorhanden, die Wiedergabe geschieht dadurch zwar unmerklich schneller, aber eben ruckelfrei, ohne das die schnellere Wiedergabe auffallen würde.





Bei NTSC hingegen ist die Sache jedoch ungleich schwerer. Hier muss man einen sogenannten 3:2 Pulldown anwenden: Aus den 24 Filmbildern pro Sekunde werden 2 Halbbilder in 48Hz und drei Halbbilder in 72Hz erzeugt und dann wieder zusammengefügt. In der Addition von 48 und 72 erhalten wir 120, was dividiert mit 2 dann für NTSC passende 60Hz ergibt - es läuft, aber es ruckelt. Zwar nicht in Szenen mit mäßiger Bewegung, aber z. B. bei schnellen Kameraschwenks deutlich zu erkennen. Nun war und ist es bis heute so, dass die NTSC-Welt, z.B. in den USA und Japan, sich an das 3:2 Ruckeln gewöhnt hat, wir in der PAL-Welt hingegen weniger bzw. immer noch nicht.

Die Filmindustrie hat sich zumindest damals dazu entschlossen, das Material auf den HD-Scheiben generell mit 24 Bildern pro Sekunde abzuspeichern, also quasi in NTSC; daraus entstanden für uns die bis dato zuvor beschriebenen unbekannten Probleme, es ruckelte. Dazu kam, die ersten HD-DVD oder Blu-Ray Player konnten nativ ihre Bilder leider nicht in 24Hz ausgeben, sondern wandelten sie nach dem 3:2 Pulldown Prinzip um und gaben diese mit 60Hz aus. Entsprechend vernehmen wir das für uns ungewohnte Ruckeln bei Bewegungen.


Der 3:2 Pulldown visuell dargestellt. Möchten Sie eine noch tiefer gehende Erklärung zum 3:2 Pulldown, verweisen wir unter diesem Link auf die Seite von Wikipedia (Bildquelle: Wikipedia).


Was musste nun geschehen, um das Ruckeln zu vermeiden?

Der erste Ansatz, an dem sich bis heute auch nichts dran geändert hat, war einen Player zu bringen, der a) 24Hz ausgeben konnte und eben b) TVs zu entwickeln, vor allem auf Nachdruck der europäischen PAL-Zuschauer, die zu den 24Hz kompatibel waren und dessen Displays mit einem Multiplikator von 24 arbeiten konnten, also z. B. 48 oder 72Hz etc. – das alles ist heute Standard und es gibt heute sogar TVs, die 120, 200, 400 Hz und noch höher darstellen können, auch wenn die sehr hohen Hz-Zahlen eher eine Mogelpackung darstellen, von denen Sie sich nicht verleiten lassen sollten. Der zweite, kompliziertere Ansatz, der sich aber nicht durchsetzten konnte, war es einen Player zu entwickeln, der die Bilder intern auf 50Hz konvertiert, den Film also wieder 4% schneller abspielte. Das Problem hierbei war allerdings der Ton auf den HD-Disks, der im Gegensatz zur DVD im Originalformat vorliegt und im Player erst aufwendig bearbeitet werden müsste, was einen eigenen Tonprozessor vorausgesetzt hätte, was aber einfach zu teuer geworden wäre. Grundsätzlich ist die Abspeicherung des Materials in 24 Frames (Bildern) aber mehr im Sinne einer naturgetreuen Darstellung und so für uns nur von Vorteil, konnten wir das HD-Bild und den Ton nun auch in unseren Breitengraden in Originalgeschwindigkeit sehen.

 

Was hat sich nun bis heute geändert?

Vieles hat sich in den vergangenen Jahren verbessert und für den Kunden ist es dadurch wesentlich einfacher geworden. Das Ruckelproblem sollte heute eigentlich keines mehr sein, wenn die Wahl auf die richtigen Geräte gefallen ist bzw. man weiß, worauf man achten muss. Alle Player-Arten können heute ihre HD-Bilder mit mindestens 24Hz ausgeben, teilweise werden sogar 1080p/24Hz-Bilder von Fernsehern in einem nativen 4:4 Pulldown mit 96Hz angezeigt, der Kino-Effekt bleibt dadurch voll erhalten, ohne das es ruckelt. Die Zwischenbildberechnung bei modernen Fernsehern ist heute aber die Antiruckel-Maßnahme schlecht hin, wenngleich es viele Leute gibt, die den sogenannten geglätteten Soap-Effekt nicht mögen und den Kinolook vorziehen. Aufseiten der TVs sollte es also keine Probleme mehr geben, was die Bildsignale betrifft, den so gut wie alle Signalarten können heute von den TVs angenommen und ruckelfrei verarbeitet werden. Hinzu kommt; im Zeitalter der Streams und MKV-Videos gibt es auch noch die Produktgruppe der Mediaplayer, die ihre Bilder auch mit 100 Prozent akkuraten NTSC 23.976Hz ausgeben können, denn viele HD-Videos (MKV-Videos) sind so erstellt und nicht mit glatten 24Hz. Gibt man zum Beispiel ein MKV-Video, das mit 24Hz erstellt wurde mit 50Hz oder 60Hz aus, kommt es beim Schauen in regelmäßigen Abständen zu unschönen Rucklern, wenn man z. B. keine Zwischenbildberechnung nutzt. Ist dieses Phänomen auch bei einer Einstellung von 24Hz am TV mit einem MKV-Video zu beobachten, sollte die Ausgabe des Media-Players testweise auf 23.976Hz gestellt werden, in der MKV-Videos ebenfalls oft erstellt werden. Haben Sie ihren Fernseher hingegen so eingestellt, dass er aus allen zugespielten Signalen glatte ruckelfreie Bilder zaubert, braucht Sie das aber alles nicht mehr zu interessieren und Sie haben sich an den Soap-Effekt gewöhnt.  

Im Gegensatz zu Blu-ray-Playern, bieten Mediaplayer häufig die Option an, das Bild mit 23.976 oder auch 59.94 Hz auszugeben - hier im Beispielbild die Möglichkeiten, die ein Dune HD-Mediaplayer bietet.


Schlussbemerkung


Wichtig für eine ruckelfreie Bildwiedergabe ist also, dass über das Setup des Players oder Streamers immer eine korrekte 24Hz-Bildausgabe eingestellt ist. Verfügt der Player über einen Auto-Modus für die Ausgabe, können Sie zu erst diesen ausprobieren, kommt es dennoch zu Ruckler, weil der Player das Video z. B. nicht richtig erkennt, müssen Sie von Hand den korrekten Bildmodus auswählen. Blu-ray Player bieten meist nur die Auswahl von festen 24Hz, Mediaplayer hingegen, wie im Bild oben gezeigt, bieten sogar 23.976Hz und weitere Unterformate an – achten Sie beim Kauf eines Streamers daher darauf, dass er am besten alle oben gezeigten Bildformate ausgeben kann, dann ist Ruckeln bei Ihnen auf jeden Fall Geschichte, egal ob Sie über das Netz per Video-on-Demand streamen oder sich ein MKV-Video anschauen. Bei Blu-ray Medien gibt es nur 24Hz und bei HD über Sat oder Kabel ruckelt sowieso nichts, weil hier alles vor der Ausgabe vom Sat-, Kabel- oder internen HD TV-Tuner des Fernsehers angepasst wird.

Tipp: Mit unserer Pendel-Bewegttestsequenz, die Bestandteil der Burosch Test Blu-ray "Expert Tuning TV Disk" ist, können Sie einfach und schnell überprüfen, ob die 24Hz Ausgabe ihres Blu-ray Players in Verbindung mit der 24Hz-Darstellung ihres TV ruckelfrei funktioniert. Die Testdisk erhalten Sie hier bei uns im Shop

Gängige Bildformate

100p(Hz)/120p(Hz)     = Zwischenbilder die aus 24/50/60Hz Zuspielung von TVs errechnet werden

60p(Hz)                     = Computermonitore, Tablets, Smartphones, TVs

50i / 50p(Hz)             = PAL SD-Signal Halbbilder / HD 720p-Signal ARD/ZDF Vollbilder

25p(Hz)                     = HD-1080i HDTV Sat- oder Kabelsignal

24p / 23,976p(Hz)      = Blu-ray, Kinofilme, MKV-Videos


Abbildungen: Philips, Wikipedia
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