HDTV: Besser fernsehen!

Veröffentlicht: Freitag, 08. Juli 2011 09:07
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Der Startschuss für die Übertragung hochaufgelöster Bilder fiel in Deutschland bereits am 27. Oktober 2005, zum damaligen Zeitpunkt aber mit nur sehr wenigen Zuschauern. Die beiden HD-Kanäle Pro 7 HD und Sat.1 HD der ProSiebenSat.1 Media AG nahmen ihren Regelbetrieb auf, und strahlten als erste deutsche Fernsehsender ihr Vollprogramm im sogenannten Simulcastbetrieb parallel zu SD auch in HDTV aus. Erfahren Sie hier alles über die Anfänge und technische Hintergründe. 

Das komplette Programm wurde gleichzeitig in normaler PAL- als auch in High-Definition-Auflösung übertragen. Bei Premiere, heute mittlerweile in Sky umbenannt, fiel der Startschuss fünf Wochen später, am 3. Dezember 2005. Mit gleich drei HD-Sendern wollte sich damals Premiere Marktanteile im auflebenden HDTV-Markt sichern, dass allerdings zu Anfang durch hohe Preise nur leidlich gelang und im Laufe der ersten Jahre dadurch auch ein HD-Sender wieder eingestellt werden musste. Anixe HD ging im Juni 2006 on air und war somit das dritte Unternehmen im Bunde, das bereits vor über fünf Jahren in HD sendete. Aufgrund der geringen Marktdurchdringung von HDTV fähigen Sat-Receivern bei dementsprechend wenigen Zuschauern beendete die ProSiebenSat.1 Media AG im Februar 2008 ihre HD-Übertragungen vorerst wieder auf unbestimmte Zeit. Der nächste größere HD-Sender Nachschub folgte dann erst wieder im Juli 2009, nachdem aus Premiere offiziell Sky wurde. Im Rahmen dieser Umfirmierung gab es dann auch eine signifikante Erhöhung an HD-Kanälen – aus zwei Premiere Kanälen wurden bis heute Stand Mitte 2011 satte 12 Sky-HD-Kanäle. Leider schrecken die nach wie vor hohen HDTV Sky Abo-Preise, gepaart mit einer SD-Kanal Zwangsbündelung, viele potenzielle Kunden weiterhin ab, für Bezahlfernsehen Geld auszugeben. Rechnet man die derzeit zwölf Empfangbaren Pay-TV Sky HD-Kanäle mit ein, stehen heute, also Mitte 2011, zusammen mit den fünf öffentlich-rechtlichen HD-Sendern und den elf HD+ Kanälen, im deutschsprachigen Raum insgesamt 28 HD-Sender  zur Verfügung – im Grunde also ein Fest für HD-Fans – diese Situation war im Startjahr 2005 noch völlig utopisch und hätte zum damaligen Zeitpunkt auch keiner geglaubt. Natürlich sind je nach technischer Ausgangslage in Ihrem Haushalt evtl. nicht alle dieser 28 HD-Sender empfangbar, unter Umständen ist eine Neuanschaffung eines für den HD-Empfang passenden Empfängers unumgänglich, was wir später im Artikel für Sie klären.


HDTV: Besser fernsehen!

Ihr Praxisratgeber rund um das hochauflösende Fernsehen.



 

Wie wird gesendet?
Alle HD-Kanäle werden im MPEG4/H.264 Format übertragen, demzufolge benötigen Sie auch einen HDTV Sat- oder Kabel-Receiver oder einen Fernseher mit eingebauten Sat- oder Kabelempfänger, der das MPEG4/H.264 Signal verarbeiten kann. Der Vorteil des neuen MPEG4-Formats liegt auf der Hand – durch die höhere Effizienz (siehe MPEG2 im Vergleich zu MPEG4) kann bei der Übertragung Bandbreite eingespart werden. Dies liegt natürlich im Interesse der Fernsehanstalten, da der Satellitenbetreiber Astra zum Beispiel über die übertragene Bandbreite abrechnet. Im Grunde können wir allen HD-Kanälen eine gute bis befriedigende Übertragungsqualität bescheinigen, auch wenn sie manchmal schwankt, und von Zeit zu Zeit auch mal mit mangelhaft eingestuft werden muss. Vor allem Sky macht sich hier wenig Freunde, die Qualität unterliegt zum Teil sehr großen Schwankungen und hier und da hat man den Eindruck, einen Film trotz HD-Übertragung lediglich in PAL zu schauen. Es bleibt daher zu hoffen, dass die Sender die Qualität beibehalten und nicht aufgrund von Kostenersparnis, die Bitraten, die für die Übertragungsqualität zuständig sind, im Laufe der Zeit nicht mehr und mehr verringern. Das Resultat wären Bildrauschen und Blockartefakte, und die benötigt bei HDTV nun wirklich niemand.

Tipp: Technikversierte können die aktuellen Bitraten jederzeit bei Linowsat unter folgender Internetadresse abrufen: http://www.linowsat.de


Der neue H.264-Codec ist besser auf das menschliche Auge abgestimmt und komprimiert bei gleicher Bildqualität bis zu 50 Prozent besser als sein älterer MPEG2-Kollege. Das ältere MPEG2-Verfahren, was unter anderem bei DVD-Filmen zum Einsatz kommt, benötigt für ein Bild in einer sehr guten Qualität eine Bitrate von ca. 6 - 8 Mbit/s – im neuen MPEG4/AVC-Format reicht dagegen bereits eine Bitrate von ca. 3 - 4 Mbit/s, um eine annähernd gleiche Bildqualität zu erreichen. Auf die Übertragung von HDTV-Signalen umgelegt bedeutet das, ein hochwertiger HD-1080i/MPEG2-Satellitenstream würde eine Bandbreite von ca. 16 - 20 MBit/s benötigen, im neuen MPEG4/H.264-Format sind dagegen lediglich 8 - 10 Mbit/s notwendig.


Upscaling in 1080i bei Sat.1 HD, Pro 7 HD, RTL HD und Co.
Die derzeit elf HD+ HD-Kanäle der Privaten werden alle im gleichen Verfahren, in einer Auflösung von 1920x1080 Bildpunkten, im „Interlaced“-Zeilensprungverfahren übertragen, also in 1080i, und setzten auf die neue HD+ Plattform von Astra auf – alles, was Sie über HD+ wissen müssen, finden Sie im Übrigen bei uns auf Burosch.de unter diesem Link. Im Gegensatz zum Bezahlsender Sky, die ebenfalls in 1080i senden und die angeben, dass das komplette Sendematerial in einer nativen Auflösung von 1920x1080 Bildpunkten vorliegt, wird das Programm bei den Privaten jedoch noch zu etwa 50 - 60 Prozent von PAL (720x570 Bildpunkte) in das 1080i (1920x1080 Bildpunkte) Bildformat gewandelt, es findet also ein sogenanntes Upscaling statt.

Up- und Downscaling in 720p bei ARD HD, ZDF HD, Arte HD und Einsfestival HD
Die öffentlich-rechtlichen HD-Sender, wie ARD HD oder ZDF HD, senden hingegen in 720p Progressiv, also in der kleinen HD-Auflösung, die aber immer noch etwas mehr als das doppelte an Bildinformationen gegenüber dem alten Standard PAL enthält. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten plädieren für 720p, "um vom Halbbildverfahren wegzukommen", wie es WDR-Chefingenieur Oliver Werner formuliert: "720p bietet vor allem bei schnell bewegten Szenen Vorteile". Bei schnellen Kameraschwenks zeigen sich nämlich die Schwächen von 1080i in Bildunschärfen. Außerdem ist das Zeilensprungverfahren für Flachdisplays nicht so gut geeignet: Anders als Röhrengeräte können diese nur Vollbilder darstellen, so das offizielle Statement der Öffentlich-Rechtlichen. Der Nachteil an der ganzen Sache ist nur, das durch diese Entscheidung mehrfach hoch- und runterskaliert werden muss, bis das Bild auf dem Fernseher erscheint. Was Up- und Downscaling genau bedeutet, haben wir für Sie unter nachfolgendem Link  - Up- und Downscaling: Was bedeutet es? - erklärt, nachfolgend zunächst die gängigen HD-Formate in Zahlen und visuell im Bild dargestellt:

1080p – 1920x1080 (2.073.600 Pixel) im 16:9 Bildseitenverhältnis (Progressives Signal)

1080i – 1920x1080 (2.073.600 Pixel) im 16:9 Bildseitenverhältnis (Interlaced Signal)

720p – 1280x720 (921.600 Pixel) im 16:9 Bildseitenverhältnis (Progressives Signal)

Alter Standard PAL:
720x576 (414.720 Pixel) im 4:3 Bildseitenverhältnis, 16:9 Bildseitenverhältnis bei anamorpher PAL-Übertragung




Die Auflösungen im Vergleich: Das normale 4:3 PAL-Bildformat wird auch oft mit SD bezeichnet – die 16:9-Bildformate 1280x720 (720p) und 1920x1080 (1080i) sind HD-Formate.



Im Bild oben sehen Sie die HD-Auflösung in 1080i mit 1920x1080 Bildpunkten und darunter den gleichen Bildausschnitt in anamorpher 16:9 PAL-Auflösung, mit 720x576 Bildpunkten. Der Inhalt ist identisch, der obere Teil wird durch die fünffache Anzahl an Bildpunkten jedoch wesentlich klarer und schärfer dargestellt, das ist der Vorteil von HDTV!


Welche neuen Geräte werden benötigt?
Das neue Fernsehvergnügen HDTV erfordert auch neue Gerätschaften. Sie benötigen, wenn nicht bereits vorhanden, natürlich zunächst einen neuen Bildschirm oder Beamer, der auch die HD-Spezifikationen erfüllt. Als Anhalt dienen Ihnen die „HD-ready“-Gütesiegel. Die Logos kennzeichnen jeweils Geräte, die entweder den Full HD Vorgaben oder lediglich den HD-ready Vorgaben der EICTA (www.eicta.org) entsprechen. Unter folgendem Link - Die HD-ready Logos und ihre Bedeutung - finden Sie bei uns auf Burosch.de eine genaue Erklärung zu den HD-ready Logos. Die meisten der zur Zeit verkauften Bildschirme und Beamer verfügen in Abhängigkeit der Technologie über eine Auflösung von 1280x720 und 1920x1080 Bildpunkten, die allesamt für HDTV geeignet sind. Bitte bedenken Sie, wie zuvor bereits erwähnt, die HDTV-Übertragung findet mit 1920x1080 oder 1280x720 Bildpunkten statt, daher muss der Bildschirm oder Beamer das Signal in sein natives Format umrechnen. Hier sollten Sie unbedingt darauf achten, wie gut die Elektronik des Flachbildschirms, oder die des Beamers, die Umrechnung visuell umsetzten kann. Um einen Fehlkauf zu vermeiden, sollten Sie einen Vergleich von unterschiedlichen Geräten direkt beim Händler durchführen und sich beraten lassen, einen guten Anhalt bieten natürlich auch unsere Testbilder, mit denen Sie die Up- und Downscalingqualitäten sehr gut überprüfen können.

Tipp: Kaufen Sie heute keine Geräte mehr, die lediglich das einfache HD-ready Logo tragen, diese Geräte sind im Grunde schon beim Kauf veraltert.

Unser Blue Only Testbild ist durch die Möglichkeit eine Einstellung mithilfe einer Blaufolie durchzuführen die beste Möglichkeit, um auch das volle Potenzial ihres Flachbildschirms oder Beamers bei HDTV auszureizen. Das Testbild ist Bestandteil unserer Professional Display Calibration BD / Disk, die Sie hier im Shop erwerben können, eine ausfühliche Dokumentation finden Sie auf unserer Homepage an dieser Stelle.


Ein oder manchmal auch zwei neue HD-Receiver sind unabdingbar
Die neuen HD-Kanäle können Sie alle über Satellit und teilweise auch im digitalen Kabelnetz empfangen. Die Kabeleinspeisung findet zum Ärger der Kunden allerdings nach wie vor nur in kleinen Schritten statt. Um herauszufinden, ob und welche HD-Kanäle in Ihrem Kabelnetz bereits eingespeist sind, kontaktieren Sie bitte Ihren örtlichen Kabelanbieter, die Einspeisung ist hier regional sehr unterschiedlich. Vor allem bei den privaten HD-Kanälen über Astras HD+ Plattform sieht die Lage derzeit noch undurchsichtig aus, die öffentlich-rechtlichen HDTV-Sender hingegen werden bereits jetzt weitestgehend von jedem Kabelanbieter angeboten. In Teilen ist es schon eine Krux, denn wer meint, ein einziger neuer HDTV Sat- oder Kabel-Receiver genügt, kann schnell in die Empfangsfalle tappen. Für den Empfang der Öffentlich-Rechtlichen, also ARD HD, ZDF HD, Arte HD und Einsfestival HD, kann im Grunde jeder einfache beliebige DVB-S2 MPEG4/H.264-fähige Sat-Receiver eingesetzt werden, die Kanäle sind frei und unverschlüsselt. Wer hingegen auch die verschlüsselten HD+ empfangen möchte, braucht einen DVB-S2 MPEG4/H.264-fähigen HDTV Sat-Receiver, der zusätzlich HD+ zertifiziert ist. Erwerben Sie direkt einen HD+ Empfänger, schlagen Sie jedoch zwei Fliegen mit einer Klappe, alle HD+ fähigen Receiver können auch die Kanäle der Öffentlich-Rechtlichen empfangen. Spielen Sie zusätzlich mit dem Gedanken, die HDTV-Kanäle über Sky zu abonnieren, ist offiziell ein Sky zertifizierter Empfänger notwendig. Allerdings sind Sky zertifizierte Receiver heute aus technischer Sicht noch nicht nötig, wenn Sie z. B. ein Alphacrypt CAM einsetzen, in dem Sie die Sky Karte einschieben. Allerdings gibt es auch hier eine Falle - das funktioniert nur noch so lange, wie Sky noch zusätzlich Nagra-Verschlüsselt sendet. Sky plant die Nagra-Verschlüsselung 2012 einzustellen und komplett auf die NDS-Videoguard Verschlüsselung umzustellen, spätestens dann wird erneut ein neuer Receiver fällig. Erwerben Sie jedoch direkt einen zertifizierten HD-Receiver von Sky, können Sie sogar direkt drei Fliegen mit einer Klappe schlagen, neben den Sky HD–Kanälen können Sie ebenfalls die Öffentlich-Rechtlichen HD-Sender und auch alle HD+ Kanäle der Privaten empfangen.


Mit einem entsprechenden CAM, z. B. einem Alphacrypt oder Omegacrypt, können auch nicht Sky zertifizierte HD-Receiver die Sky-HD Sender empfangen. Auch die HD+ Sender können mit manchen älteren HDTV-Receivern gepaart mit einem Firmwareupdate und einem CI HD+ Legacy-Modul aufgerüstet werden – erfragen Sie die Möglichkeit bitte beim Hersteller ihres Receiverherstellers oder besuchen Sie die HD+ Homepage.

Wer es noch etwas komplizierter haben möchte – die derzeit frei verfügbaren HD+ zertifizierten HDTV-Receiver können bzw. dürfen Sky Pay-TV eigentlich nicht wiedergeben, wenn gleichzeitig eine HD+ Karte benutzt wird. So verhalten sich die Geräte dann auch recht unterschiedlich, das eine HD+ Gerät macht es, das andere nicht oder nur mit einem Trick, wenn die die Sky-Karte im laufenden Betrieb in den CI-Schacht eingesetzt wird.

Erwerben Sie einen Flachbildfernseher mit eingebautem HD-Empfänger, zählen im Grunde die gleichen Anforderungen wie zuvor aufgezählt. Für den Empfang der Privaten ist ein Fernseher mit CI-Plus Schacht Pflicht. Zusammengefasst kommt man derzeit fast nicht um den Besitz von zwei HDTV-Empfängern herum, möchte man alle HD-Kanäle empfangen. Möchte man nur die Öffentlich-Rechtlichen und die privaten HD-Sender empfangen, ist ein HD+ Receiver derzeit die erste Wahl, wenn Sie ein neues Gerät anschaffen wollen.

Die Satellitenanlage
Bei diesem Punkt brauchen Sie nicht viel beachten. Ist Ihre Satellitenanlage bereits auf Astra 19,2 Grad Ost ausgerichtet, können Sie den Parabolspiegel unangetastet lassen. Als LNB können sie jeden Beliebigen einsetzen, sofern er für den Empfang von digitalen Satellitensignalen geeignet ist.

Tipp: Die Sat-Transponderdaten für alle HD-Kanäle können unter http://www.ses-astra.de abgerufen werden.

Die Programmkosten
Im Gegensatz zu den HD-Kanälen von Sky (siehe Sky HD Aboseite unter http://www.sky.de), braucht sich der interessierte Kunde für den Empfang der öffentlich-rechtlichen HD- Kanäle keine Gedanken über Preise zu machen, der Empfang ist, und bleibt kostenlos! Die Mehrkosten, die die Sendeanstalten durch die HDTV-Übertragung haben, sind in den GEZ-Gebühren enthalten. Für den Empfang der privaten HD+ Kanäle ist bei Neukauf eines Receivers das erste Jahr meist kostenlos, anschließend werden 50 Euro Empfangspauschale pro Folgejahr fällig.

HDTV ist endlich angekommen
2011 ist also durchaus ein Fest für Liebhaber hochaufgelöster Bilder und HDTV ist endlich nach vielen Jahren mit Anlaufschwierigkeiten beim Zuschauer angekommen. Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob ihm HDTV bei den Privaten und bei Sky das Geld auch wert ist. Die breite kostenlose Verfügbarkeit der öffentlich-rechtlichen HD-Sender trägt zumindest einer schnelleren Aufnahme von HDTV in das Bewusstsein bei den Bürgern bei, auch wenn die beiden großen Sender nur in der kleinen HD-Auflösung von 1280x720 (720p) Bildpunkten senden. Die Jahresgebühr der Privaten mit 50 Euro lässt zwar schnell Äußerungen wie „verstecktes Pay-TV, für Sender, die werbefinanziert sind“ fallen, dennoch geben wir hier zu bedenken - in fast keinem Land ist HDTV für umsonst zu bekommen. Entscheidet man sich für HD+ und kann man dementsprechend mit den Restriktionen leben, ist für 50 Euro Jahresgebühr + GEZ-Gebühren neben den Öffentlich-Rechtlichen der Empfang von 11 weiteren HDTV-Sendern möglich, was durchaus ein Wort ist. Wie Sie entscheiden, das möchten wir ab dieser Stelle dann gerne Ihnen überlassen.