Perfekte Prüfsignale für moderne Fernseher / Die Burosch Test-DVD entlarvt alle typischen Schwächen

Hauptsache groß, Hauptsache flach, Hauptsache günstig – wer seinen neuen Fernseher ausschließlich nach diesen Vorgaben aussucht, ist besser beraten, auf die Anschaffung ganz zu verzichten, denn die Bilder auf dem angepeilten Schnäppchen dürften erheblich schlechter aussehen als auf der Mattscheibe des im Wohnzimmer noch amtierenden Röhren-Guckkastens. Der Grund: Die neuen Digital-Displays machen praktisch alles anders als die analoge Bildröhre, und nur mit immensem, folglich kostspieligem Rechenaufwand können sie grundsätzliche Probleme ihrer Arbeitsweise so gut kompensieren, daß im Fernsehsessel Freude aufkommt. Deshalb sind die Qualitätsunterschiede zwischen den modernen Flachmännern oft überraschend groß, und das Tückische daran ist: Sie offenbaren sich nicht immer sofort mit jedem Programm, das irgendwie zufällig oder über unsinnig eingestellte Elektronik im Mediensupermarkt zur Demonstration läuft. Also sollte eine Referenz her, die schlaglichtartig auf einen Blick erhellt, was der Bildschirm der engeren Wahl kann und wo er kläglich versagt. Selbst immer wieder auf der Suche nach geeignetem Material, haben wir nun eine DVD entdeckt, die alles bietet, was das Herz von Profiund Hobby-Testern begehrt. Sie heißt AVEC Professional Test DVD, stammt vom Stuttgarter Videotechnik-Spezialisten Burosch www.burosch.de
 
Die Scheibe enthält eine einzigartige Sammlung an statischen Testbildern und Bewegtbildsequenzen, sowohl in Farbe als auch in Schwarz-Weiß, für die Bildformate 4:3 und 16:9. Dazu gibt es einen Videoclip von hervorragender Aussagekraft, der gerade auch Bewegungsartefakte, eine prinzipielle Schwachstelle von Flachbildschirmen, gnadenlos aufdeckt und last, but not least, ausgewählte Tonsignale für den Check einer Mehrkanal-Anlage. Von Testbildern zu sprechen, ist eigentlich nur die halbe Wahrheit, denn alle abstrakten Test-Motive sind nicht etwa Ablichtungen gedruckter Vorlagen. Sie wurden mathematisch erzeugt und entsprechen in ihrer Präzision folglich den Prüfsignalen teurer professioneller Testgeneratoren. Schon bei den Einstellungsarbeiten des Bildschirms und bei der Wahl der besten Anschlußart leistet die Burosch-DVD wertvolle Hilfe: Hautton-Paletten helfen, die richtigen Werte von Farbsättigung, Farbton und Helligkeit für die natürliche Wiedergabe zu finden, sogenannte Grautreppen erleichtern die Einstellung des Kontrastwerts. Ein spezielles Chart klärt, wie gut Bildmaterial im Vollbild-Modus („Progressive Scan“) dargestellt wird: Beherrscht der Zuspieler diese Betriebsart überhaupt in angemessener Qualität, oder bleibt „Progressive Scan“ besser ausgeschaltet? Das Testbild zeigt es augenfällig.
Stimmt die Bildjustage, können die Vergleiche beginnen. Die Bildgeometrie zum Beispiel ist eine elementares Prüfkriterium: Hält sich der Bildschirm an die richtigen Proportionen oder verzerrt er etwa kreisrunde Konturen zu einem Osterei? Schneidet er Teile des Bildinhalts ab und zeigt er die Motive exakt mittig oder in eine Richtung verschoben? Hierüber geben gleich mehrere Testbilder Auskunft – sogar mit pixelgenauen Angaben von Fehlpositionierungen. Wie hält es der Bildschirm mit Helligkeits- und Farbverläufen – folgt er ihnen kontinuierlich oder macht er zwischen Hell und Dunkel Sprünge und Stufen, wo sie nicht hingehören? Bewegte Testbilder, in denen kontinuierliche Verläufe über die Bildfläche gleiten, zeigen, wo die Schwächen liegen.

Hält der Flachbildschirm natürlichen Farben die Treue, auch wenn sich diese rasch über die Bildfläche bewegen? Dies klärt zum Beispiel ein hautfarbener runder Fleck mit einem weißen inneren Kern, der nach außen immer dunkler wird: Huscht er in wechselndem Tempo vor schwarzem Hintergrund über die Mattscheibe, ohne Farbsäume oder Verfälschungen zu zeigen, dann stimmt die Qualität in dieser Disziplin, aber längst nicht alle Geräte bestehen diese heikle Prüfung.

Praktisch alle flachen Digitaldisplays haben Schwierigkeit, kontinuierlich durch das Bild gleitende Schriftbänder, etwa Börsen- oder Nachrichtenticker, ruckfrei, konturenscharf oder wenigstens halbwegs leserlich darzustellen. Wie gut sie dies können, zeigen speziell für diesen Zweck entwickelte Test-Textbänder, die in unterschiedlicher Größe und in unterschiedlichem Tempo über die Bildfläche wandern.

Bewegungsfehler, wie gesagt, die Achillesferse der flachen Schirme, entlarvt ein mehrfarbiger Pfeil besonders schonungslos, der wie ein Pendel über die Bildfläche schwingt. Schlechte Displays bilden diese Grafik ausgefranst und mit Farbsäumen ab – nur die allerbesten lassen die Konturen unbeschädigt. Sehr aufschlußreich ist auch ein lebendes Objekt als Testvorlage: Eine Frau in einem langen weißen, ärmellosen Kleid schreitet langsam vor weißem Hintergrund ins Bild und läßt dabei lässig ihre braungebrannten Arme schwingen. Schlechte Bildschirme sind außerstande, die Konturen und die Struktur des Kleides klar zu zeigen; Hintergrund und Kleidungsstück verschwimmen ineinander. Außerdem zeigen viele Probanden die Arme der Dame mit Farbrändern oder mit ausgefransten Konturen. Der Tip in diesem Fall: Hände weg von einem solchen Gerät. All dies ist nur eine kleine Auswahl der vielfältigen Testmöglichkeiten; sie allein zeigt schon: Die Burosch- DVD kann die Qual der Wahl beim Fernseher-Einkauf erheblich erleichtern, und für Heimkino-Fans, die den stetigen Ausbau ihrer Anlage als Hobby betreiben, ist die Scheibe geradezu ein Muß. Allerdings: Bevor man mit dieser Referenz auf Einkaufstour geht, sollte man sich etwas mit ihr beschäftigen und die Interpretation der Darstellungen einüben. Leider hat Burosch darauf verzichtet, hierzu ausführliche Anleitungen mitzuliefern, aber Autodidakten können sich trotzdem in die Materie einarbeiten: Auf seiner Website erörtert der Autor ausführliche alle wichtigen Bildfehlerquellen und zeigt auf, mit welchem Testmaterial sie sich besonders gut nachweisen lassen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. April 2007