Sat-IP: Mobiles HD-Fernsehen

Programmvielfalt im HDTV-Bereich war bisher ausschließlich mit monatlichen Extrakosten und lästigem Kabelsalat verbunden. Wer auf ein umfangreiches Home-Entertainment in HD-Qualität nicht verzichten wollte, konnte entweder auf die mitunter teuren Angebote der Kabelnetzbetreiber zurückgreifen oder das Haus komplett verkabeln. Denn ein vertragsfreier Empfang der meisten HD-Sender war herkömmlich lediglich über eine Satellitenanlage möglich, die allerdings nicht nur Vorteile mit sich brachte. 

Jeder Fernseher bzw. Sat-Receiver musste umständlich mit der Satellitenschüssel auf dem Dach verbunden werden. Jede Menge Kabel und kein Sat-TV auf Smartphone oder Tablet. Annähernd mobil war man bislang nur mit DVB-T. Allerdings ist diese terrestrische Funkausstrahlung nichts für den gehobenen Anspruch, denn DVB-T bietet weder Sendervielfalt noch herausragende Qualität. Die gute Nachricht: Diese Probleme gehören nun endlich der Vergangenheit an. Ab sofort ist mobiles Fernsehen in bester HD-Qualität ohne Vertragsbindung und lästigen Bandsalat kein Wunschtraum mehr. Sat-IP bringt hochwertiges Satellitenfernsehen in alle Räume und auf nahezu alle Geräte – und das zum Anschaffungspreis.

 

Burosch Panasonic: VIERA TVs mit SAT>IP
Panasonic: VIERA TVs mit SAT>IP

 

Mit Sat-IP ist die Wiedergabe über das heimische Netzwerk auf fast allen Computern, Tablet-PCs und Smartphones sowie auf allen gängigen TV-Geräten mit SAT>IP-Client möglich. Als erster Hersteller stattete Panasonic bereits im Herbst 2014 seine VIERA TV-Reihe mit einem integrierten SAT>IP-Server aus, der das Satelliten-Signal in ein IP-Signal umwandelt.

 

Was ist Sat-IP?
Bei SAT-IP handelt es sich um einen herstellerunabhängigen europäischen Standard mit CENELEC-Zertifikat. Die Sat-over-IP-Technik (Sat-IP oder SAT>IP) ist eine neue IP-basierte Architektur, die Fernsehsignale vom Satelliten direkt in die IP-Welt „übersetzt“ (IP: Internet-Protokoll). Der Sat-IP-Converter macht den Empfang und die kabelfreie Verteilung von Satellitenfernsehen überall im Haus möglich.

 

Wie funktioniert Sat-IP?
Der Sat-Empfänger wird zum Server. Dabei werden über LNB oder Multischalter  empfangene DVB-S- oder DVB-S2-Signale konvertiert und in IP-Pakete gekapselt. Oder einfacher ausgedrückt: Sat-IP kann digitale Satellitenfernsehsignale direkt in IP-Signale umsetzen, um diese dann über ein bestehendes IP-Netzwerk (WLAN, Ethernet, Powerline) zu verteilen. Sat-IP ermöglicht so die Nutzung der digitalen Satelliten-Signale auf allen Multimedia-IP-Geräten, mit denen bis zu acht HD-Programme oder bis zu 30 SD-Programme gleichzeitig empfangen werden können (Stand: 2015).

 

 Burosch Panasonic Sat>IP Vom Server zum ClientPanasonic: Sat>IP - Vom Server zum Client

 

 

Welche Geräte empfangen Sat-IP (Clients)?
Smartphone- und Tablet-Apps: Verschiedene Sat-IP-Apps stehen für iOS, Android und Windows zum Teil kostenlos zur Verfügung. Computer/Notebooks: Für Windows gibt es hier u.a. das Programm „DVB-Viewer“, das ursprünglich für den Digital-TV-Empfang am PC per SAT-TV-Karte oder DVB-T-Stick entwickelt wurde. Außerdem kann man sich das TV-Programm beispielsweise über den kostenlosen VLC Player oder Windows Media Player auf den Schirm holen. Für Mac steht bisher des Programm „Elgato EyeTV 3“ zur Verfügung.  Mit dem Plugin „vdr-plugin-satip“ ist das unter Linux laufende Programm VDR (Video Disk Recorder) mit dem Sat-IP-Protokoll kompatibel.

Netzwerkplayer (DLNA/UPnP AV): Sat-IP nutzt die vorhandenen Standardss für das Heimnetzwerk, wie DLNA (Digital Living Network Alliance) oder UPnP AV (Universal Plug and Play), denn jedenfalls die meisten Sat-IP-Server haben eine DLNA-Serverfunktion. Insofern können beinahe alle Netzwerkplayer als Sat-IP-Abspieler verwendet werden.

Multimedia-Konsolen (Set-Top-Box): Die neueren Generationen von X-Box & Co. gewährleisten ebenfalls den digitalen Sat-Empfang.

Fernseher: Natürlich sind auch internetfähige Smart-TVs (die also HTTP-Streaming beherrschen und bei denen ein Codec auf Client verfügbar bzw. lizenziert ist) in der Lage, die über das Netzwerk übermittelten TV-Programme wiederzugeben. Nach aktuellem Stand (2015) gibt es allerdings hier noch keine passenden Apps. Deshalb muss man bis auf weiteres auf den Digital-TV-Komfort verzichten. Auch das zügige Umschalten ist kaum möglich. Jedenfalls, wenn über einen herkömmlichen DLNA-Player empfangen wird. Auch zusätzliche Digital-TV-Daten (EPG) können nicht dar-gestellt werden. Für unbeschwerte Fernsehabende lohnt sich in jedem Fall der passende Sat-IP-Receiver, der im Übrigen an jeden handelsüblichen Fernseher an-geschlossen werden kann.

Powerline: Satellitenprogramme lassen sich auch bequem über das Stromnetz (Powerline) auf den Fernseher oder andere Geräte befördern. Hier gibt es bei-spielsweise vom Powerline-Spezialist devolo ein vielfältiges Angebot – vom Single-Adapter bis zum dLAN® TV-SAT-Multituner. Des Weiteren können mit FRITZ!Powerline Geräte via Stromleitung ins Heimnetzwerk eingebunden werden.

 

 Devolo: dLAN 1200+Devolo: dLAN 1200+

 

Pay-TV: Im Netzwerk können auch mehrere Sat-IP-Server und -Clients gemeinsam für verschlüsselte Pay-TV-Übertragungen betrieben werden. Pay-TV-Streams wer-den allerdings nur durch Sat-IP-Clients mit integriertem CI/CI+ Slot entschlüsselt. Voraussetzung ist hier selbstverständlich die entsprechende kostenpflichtige Mitgliedschaft.

 

SAT-IP-Receiver
Diese portablen Empfänger funktionieren wie normale Sat-Receiver und lassen sich genauso einfach am Fernseher anschließen. Angeboten werden sie mittlerweile von zahlreichen Herstellern. Grundsätzlich sollte man sich vor der Anschaffung klar darüber sein, wie viele Programme parallel empfangen bzw. aufgenommen werden sollen. Die Bandbreite ist groß, die Preise unterschiedlich. Der HD-fähige Sat-Receiver mit einem Empfangsteil ist ausreichend für einfachen Empfang, die Aufnahme ist hier auf einer separaten USB-Festplatte möglich (z.B. Easy One HD+ Basic).

Wer gleichzeitig fernsehen und aus einem anderen Programm aufnehmen möchte, sollte beim Kauf darauf achten, dass der Receiver mit wenigstens zwei Empfangsteilen (Satelliten-Tuner) ausgestattet ist (z.B. Technisat Technistar S1+).

Mit dem Humax iCord Evolution können bis zu vier TV-Sendungen zeitgleich aufgenommen und eine weitere live angeschaut werden. Darüber hinaus kann man parallel auf dem Tablet oder Smartphone streamen.

Humax: iCord Evolution
Humax: iCord Evolution

 

Am günstigsten sind Modelle, die nur ein Programm wiedergeben, weder über eine Aufnahmefunktion verfügen noch Pay-TV-Sender entschlüsseln können (z.B. Edision Argus piccollo). Die platzsparende Variante sind Fernsehgeräte, bei denen der Sat-IP-Server bereits integriert ist (zurzeit nur von Panasonic, z.B. TX-65AXW904).

 

Sat-IP und Netzwerkleistung
Wenn gleichzeitig mehrere TV-Programme auf unterschiedlichen Geräten abgerufen werden sollen, kann es allerdings eng werden. Grund dafür ist die jeweilige Bandbreite, die die Anzahl der gleichzeitig verfügbaren Programme begrenzt. Nach Angaben des Unternehmens Telestar beträgt die benötigte Netzwerkbandbreite ungefähr 30 Mbit/s für einen HD-Stream und 10 Mbit/s pro SD-Stream.

 

AVM: FRITZ!Box 7490
AVM: FRITZ!Box 7490

 

Über das herkömmliche Netzwerkkabel stellt dies kein Problem dar. Hiermit lassen sich bis zu acht HDTV-Sender befördern (bei 100 Mbit/Sekunde). Bei Drahtlos-Netzwerken bremst der Abstand zum Zugangspunkt (Access Point) sowie etwaige Überlagerungen das WLAN. Deshalb wird hier diese Geschwindigkeit oft nicht erreicht. Denn viele WLAN-Basisstationen fallen aus Sicherheitsgründen auf einen Multicast-Modus zurück (WLAN-Spezifikation). Der Datenstrom wird mit einer Brutto-Bandbreite von nur 6 Mbit/s verschickt, was kaum ausreichend ist.

Allerdings verfügen neuere WLAN-Basisstationen sowie manche Router über eine Möglichkeit, vom Multicast- in den sehr viel schnelleren Unicast-Modus umzuwandeln, was zwar das Übertragungsvolumen vereinfacht, aber jeden Client mit einer ausreichenden Bandbreite versorgt.

 

Sat-IP-Server
Der Sat-IP-Server setzt ohne Transkodierung die Satelliten-TV-Signale auf IP um. Im Server befinden sich sowohl ein HF-Tuner als auch ein HF-Demodulator, die als gemeinsame Ressource dem IP-Netz bereitgestellt werden. Diese liefert einen MPEG-Transportstrom des Satellitentransponders, der im Unicast-  oder Multicast-Modus an einen oder mehrere Sat-IP-Clients geschickt werden kann. Je nach Modell verfügen Sat-IP-Server mitunter über mehrere HF-Tuner/-Demodulatoren, um aus verschiedenen Transpondern diverse Programme gleichzeitig ausliefern zu können.

Der Server kann in Form einer Master-Set-Top-Box, in einer Verteilereinrichtung (analog zu einem HF-Multischalter) oder im LNB (IP-LNB) angebracht werden. Nach aktuellem Sat-IP-Standard (Stand: 2015) ist die Versorgung von maximal acht Gerä-ten im vorhandenen Netzwerk möglich, wobei jeder Sat-IP-Server über maximal vier Empfangsteile verfügt. Will man also tatsächlich auf acht verschiedenen Geräten unterschiedliche Programme empfangen, müssen zwei Sat-IP-Server parallel geschaltet werden. Ganz ohne Kabel geht es natürlich nicht. Jedes Empfangsteil muss per Antennenkabel an das Empfangsteil der Satellitenschüssel angeschlossen werden. Für die einfache Schaltung reicht der LNB-Zugang, für die Parallelschaltung (also zwei Empfangsteile) benötigt man einen Doppel-LNB (Twin-LNB). Für vier Empfangsteile ist ein Quad-LNB und darüber hinaus ein Multischalter erforderlich, mit dem im Übrigen bereits bestehende Anlagen problemlos erweitert werden können. Der Netzwerkanschluss (LAN) am Sat-IP-Server ermöglicht ein schnelles Verbinden mit dem Router, aber auch via Stromnetz (Powerline) ist eine Verbindung möglich.

Wobei diese Serveranschlüsse eigentlich schon wieder überholt sind. Denn der niederländische Satellitenbetreiber SES WORLD SKIES (SES S.A.-Holding) entwickelte in Zusammenarbeit mit dem OEM-Hersteller FTA Communications S.a.r.l unter der Marke "Inverto" einen IP-LNB, der die SAT-IP-Konverter-Logik bereits implementiert hat. Die Umwandlung in IP-Signale erfolgt nunmehr direkt in der Satellitenanlage und damit die Bereitstellung von bis zu acht Kanälen.

inverto: 8 channel SAT>IP LNB
inverto: 8 channel SAT>IP LNB

 

Unter der Bezeichnung „INVERTO SAT TO IP LNB 8 KANAL MIT POE-ADAPTER (SAT OVER IP)“ ist dieser iLNB seit 2015 im Handel. Über den Poe-Adapter (Power-Over-Ethernet-Adapter), der in der Regel im Lieferumfang enthalten ist, erfolgt die Stromversorgung direkt über das Netzwerkkabel.

Sat-IP: Die Vorteile auf einen Blick Sat-IP bietet eine klare Alternative zur bisherigen HF-basierenden gebäudeinternen Zwischenfrequenz-Verteilung von DVB-S(2)-Signalen mittels Koaxialkabeln. Mit dem neuen IP-Standard ist es gelungen, bewährte Technologien zu integrieren und effizient in die Praxis umzusetzen. Sat-IP führt das Satellitenfernsehen in ein neues Zeitalter und hat die Idee des Multiroom-TV-Entertainments anwenderfreundlich weiterentwickelt. Alle Vorteile des satellitenbasierten HD-TV vereinen sich hier mit den modernen Ansprüchen an Freiheit und Mobilität:

• keine neuen Kabel, kein Bohren, kein Möbelrücken
• Nutzung des vorhandenen Netzwerks (WLAN, Ethernet, Powerline)
• beste Sat-Qualität in HD
• keine Vertragsbindung
• keine monatlichen Kosten
• moderater Anschaffungspreis
• Programmvielfalt
• gleichzeitiges Sehen, Speichern, Streamen – vom Keller bis zur Terrasse
• paralleler Empfang auch auf Geräten ohne integrierten Satellitenempfänger