All-IP (Quad Play) - Fluch oder Segen?

Wie der Begriff All-IP vermuten lässt, handelt es sich dabei um die Umstellung ALLER bisherigen Übertragungstechniken in Telekommunikationsnetzen auf IP-Basis: Telefon, Fernsehen, Mobilfunk und Internet kommt dann quasi aus einer Leitung. Als Nachfolger von Triple Play wird dieses Modell, das alle vier Segmente der Telekommunikation vereint, auch als Quad Play bezeichnet. Die digitale Paketvermittlung über das Netzwerkprotokoll (All-IP) ist zwar für Technikbegeisterte ein wahrer Segen, doch gerade die ältere Generation aber auch Menschen mit schmalem Geldbeutel sind dabei die Leittragenden, denn sie werden nicht gefragt. Analoge Technologien sowie ISDN-Anschlüsse werden in naher Zukunft vom Markt verschwunden sein. Und das nicht unbedingt freiwillig.

 

Bis Ende 2018 soll die Umstellung auf All-IP abgeschlossen sein. Nicht nur die Telekom, sondern die gesamte deutsche Telekommunikationsbranche hat sich zum Ziel gesetzt, das öffentliche Fernmeldenetz und damit sämtliche Anschüsse auf die IP-basierte Technik umzustellen. Alle deutschen Privathaushalte aber vor allem Unternehmen, die bisher ISDN-Kommunikationssysteme genutzt haben, müssen sich langsam Gedanken darüber machen, wann und wie sie auf die IP-Technologie und damit auf neue Geräte umrüsten. Die alten Telefonanlagen sind dann ein Fall für die Müllabfuhr.

Und mehr noch: Wenn der Strom ausfällt, kommt die Kommunikation zum Stillstand. Während über die guten alten Telefonleitungen auch dann noch telefoniert werden konnte, wenn ansonsten Dunkelheit herrschte, wird mit VoIP diese Möglichkeit nicht mehr gegeben sein. Sämtliche Geräte sind auf den Strom aus der Leitung angewiesen. Wenn der Router nicht funktioniert, läuft also nichts mehr. Es sei denn, man verfügt über ein Notstromaggregat. Doch wer hat das schon? 

Burosch Gigaset Telefone
Gigaset Geräte (ISDN und VoIP)

Die Telekom begann bereits im Herbst 2014, mit Zwangskündigungen zu drohen. Wechselunwillige Kunden werden sukzessive aus ihren Verträgen gedrängt. Auch wenn die große Kündigungswelle erst für 2017 geplant ist, wurde bereits im Jahre 2015 damit begonnen. Nach deutschem Vertragsrecht sind solche Zwangskündigungen rechtlich durchaus legitim. Obwohl eine solche Vertragsbeendigung durch den Anbieter insbesondere für kleinere Telekommunikationsunternehmen bestenfalls die Ausnahme darstellen soll, bleibt sowohl den verbrauchenden Unternehmen als auch den zahlreichen Privatkunden nichts anderes übrig, als jetzt schon mal die Portokasse auf Eis zu legen. Denn je nach Umfang kommen mitunter hohe Investitionskosten auf sie zu. Der Zeitplan für die Umstellung steht. ISDN war gestern. All-IP die weltweite Zukunft. Alternativen kaum vorhanden. Basta!

Burosch Der IP-basierte Anschluss der Telekom
Abbildung 3: Werbung für IP-basierten Anschluss der Telekom (2015)

Doch der „Anschluss an die Zukunft“ ist als solcher natürlich auch kein Werk des Teufels. Im Gegenteil! Telefonieren, Surfen, Mailen, Faxen, Fernsehen – alles aus einer Hand, alles über IP – hat auch durchaus bestechende Vorteile zu bieten:

  • hohe Bandbreiten
  • mehrere Rufnummern
  • viele Funktionen ohne Aufpreis
  • kostenlose Rufumleitung
  • automatische Namensanzeige auch ohne Rufnummernspeicherung
  • kein Splitter oder NTBA mehr erforderlich
  • exzellente Sprachqualität ohne Rauschen
  • Festnetz über Smartphone
  • Mailboxnachrichten per E-Mail
  • geräteunabhängiger Zugriff auf alle Daten und Dokumente
  • WLAN TO GO: kostenloses Surfen an Millionen Hotspots weltweit
  • Regelung der Haustechnik (Beleuchtung, Entertainment, Alarm- oder Klimaanlage etc.) über Smartphone, Tablet oder PC
  • und natürlich Fernsehen sowie VoD inklusive.

Man könnte also behaupten, bei All-IP handelt es sich um Fluch und Segen zugleich. Ähnlich wie bei der Umstellung von VHS auf DVD, DVD auf Blue-Ray, Kassette auf CD, Schreibmaschine auf Computer, Röhrenfernseher auf Flachbildschirm, SD auf HD und HD auf 4K wird man in einigen Jahren auch über den Wechsel zu All-IP nur noch schmunzeln.